GAY HOMELAND FOUNDATION

Viktor Zimmermann
Rede bei der Gedenkveranstaltung am 19. Juli 2007
KÖLN, den 19. Juli 2007
Der schwulen und lesbischen Opfern des Ayatollah-Regimes in Iran gedenken
Am 19. Juli 2005 sind in der iranischen Stadt Mashhad zwei Jugendliche
hingerichtet worden. Den Berichten zufolge wurde ihnen Diebstahl, Alkohol-Konsum
und sexuelle Handlungen mit einem 13-jährigen Jungen vorgeworfen. Lokale Quellen
sprechen davon, daß Mahmoud Asgari und Ayaz Marhoni vor allem wegen ihrer
Homosexualität angeklagt wurden, und offizielle Anschuldigungen erst später zur
Rechtfertigung des Urteils vorgeschoben wurden.
Wie dem auch sei:
In den vergangenen 28 Jahren seit der Islamischen Revolution sind in Iran
mehrere Tausend Schwule und Lesben hingerichtet worden. Die Hinrichtungsmethoden
reichen von Erhängung an einem Kran bis zur Steinigung.
Das iranische Gesetz schreibt für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe vor.
Allerdings wird der Nachweis durch vier Zeugen verlangt, der in der Realität
nicht erbracht werden kann. Deswegen werden in Iran regelmäßig diverse
Straftaten vorgeschoben, um eine Todesstrafe gegen Homosexuelle zu rechtfertigen.
Als häufige Begründung wird regelmäßig die „Vergewaltigung“ angeführt, um die
Opfer nachträglich noch zu diskreditieren. Die iranischen Behörden spekulieren
darauf, daß sich die Öffentlichkeit nicht für „Mörder und Vergewaltiger“
einsetzen wird.
Wir möchten an diesem 19. Juli all der Tausenden schwuler und lesbischer Opfer
des Ayatollah-Regimes erinnern. Nicht alle von ihnen waren perfekt, aber allen
gemeinsam ist, daß sie diese barbarische Bestrafung nicht verdient haben. Wir
wollen uns daran erinnern, dass viele Lesben und Schwule ihr Leben nicht frei
führen können.
In Iran unserer Tage werden Schwule über das Internet in die Falle gelockt, von
den Todesschwadronen verhaftet, gefoltert und ermordet. Viele begehen Suizid
oder lassen sich zu einer Geschlechtsumwandlungen drängen. Lesben werden als
Frauen diskriminiert und dürfen ohnehin kein selbstbestimmtes Leben führen. Sie
müssen mit Strafen von bis zu 100 Peitschenhieben rechnen, bei mehrfacher
Wiederholung droht die Todesstrafe.
Der Iran muß die Verfolgung von Homosexuellen beenden. Wer im Jahre 2007
Menschen wegen ihrer Sexualität mit dem Tode bestraft, hat sich aus der Familie
der zivilisierten Menschheit verabschiedet. Die westlichen Länder können und
müssen wirtschaftlichen und politischen Druck auf Iran ausüben, um die
Verfolgung von Homosexuellen zu beenden. Es müssen Sanktionen gegen Iran
verhängt werden, bis die Hinrichtungen aufgehört haben.
Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, Abschiebungen von schwulen
und lesbischen Flüchtlingen nach Iran und in andere Verfolgerstaaten sofort zu
stoppen. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht willens ist, sich um schwule
und lesbische Flüchtlinge zu kümmern, sollte sie über die Überlassung eines
Territoriums zur schwul-lesbischen Selbstverwaltung nachdenken.
Wir sollen uns daran erinnern, dass im Zeitalter der CSD Paraden und
Schaum-Partys, ein großer Teil von Lesben und Schwulen in Todesangst
dahinvegetiert, jeglicher Menschenwürde beraubt, und dem Feind völlig
ausgeliefert. An diesem 19. Juli soll jeder von uns sich fragen, ob wir als
Community genügend tun, um unsere Leute vor Verfolgung zu retten.